Training emotionaler Kompetenzen (TEK) nach Berking (2008)

Häufig leiden Menschen mit psychischen Störungen auch unter Emotionsregulationsschwierigkeiten. Bei der Emotionsregulation handelt es sich um Prozesse, welche die Art, Intensität und Dauer von Gefühlen beeinflussen, um eine handlungsförderliche Gefühlslage (z.B. Freude) herzustellen bzw. beeinträchtigende Emotionen (wie z.B. Wut, Ärger, Scham) zu unterbinden. Man unterscheidet hierbei zwischen einer intrapsychischen und einer interpsychischen Regulation. Intrapsychische Regulation bezieht sich dabei auf die eigenständige Emotionsregulation und interpsychisch auf die Art der Regulation, an der andere Personen unterstützend beteiligt sind (z.B. Psychotherapeuten).

 

Defizite in der Emotionsregulation tragen oft zur Aufrechterhaltung von psychischen Störungen bei und sollten deshalb behandelt werden. Mittlerweile gibt es verschiedene Therapiemaßnahmen um die emotionale Kompetenz zu verbessern. Dazu zählen u.a. die Akzeptanz und Commitment Therapie (ACT) nach Hayes, Strohsal & Wilson (1999) oder die Dialektisch Behaviorale Therapie (DBT) nach Linehan (1993). Ein weiterer Ansatz ist das Training emotionaler Kompetenzen (TEK) nach Berking (2008).

 

Dieses Training vereint achtsamkeitsbasierte und praktisch veränderungsorientierte Verfahren zu einem für die Patienten und Therapeuten nachvollziehbarem und leicht verständlichem Konzept.

 

Insgesamt beruht das TEK-Training auf 7 Schritten, welche einen konstruktiven Umgang mit aversiven (negativen) Gefühlen vermitteln sollen:

 

1.      Muskelentspannung

 

2.      Atementspannung

 

3.      Bewertungsfreie Wahrnehmung

 

4.      Akzeptieren und Tolerieren

 

5.      Effektive Selbstunterstützung

 

6.      Analysieren

 

7.      Regulieren

 

Schritt 1: Muskelentspannung

 

Bei anhaltendem Stresserleben wird die Amygdala aktiviert, was zu einer erhöhten Anspannung unserer Muskulatur führt. Indem wir unsere Muskulatur bewusst entspannen, signalisieren wir unserer Amygdala, dass keine Gefahr mehr droht und sie ihre Aktivität herunterfahren kann.

 

Schritt 2: Atementspannung

 

Ein zweites wichtiges Körpersignal, was unsere „Amygdala“ beruhigen kann, ist unsere Atmung.  In Gefahrensituationen erhöht sich unsere Atemfrequenz. Daher ist es wichtig, bewusst ruhig und gleichmäßig zu atmen um die Erregung der Amygdala zu reduzieren.

 

Schritt 3: Bewertungsfreie Wahrnehmung

 

Wenn wir etwas wahrnehmen, neigen wir in der Regel dazu, es sofort zu bewerten. Dies führt häufig dazu, dass wir uns in schwierige Situationen hineinsteigern oder immer wieder ins Grübeln verfallen. Darum ist es wichtig, belastende Situationen zuerst einmal unvoreingenommen zu betrachten und dabei seine eigenen Gefühle objektiv erkennen und benennen zu können. Dies wirkt oft entlastend, da man dann entscheiden kann, ob das jeweilige Gefühl überhaupt zur aktuellen Situation passt. Wichtige Interventionen an dieser Stelle sind Achtsamkeitsübungen.

 

 

 

Schritt 4: Akzeptieren und Tolerieren

 

Akzeptanz bedeutet, dass wir lernen unsere jeweiligen Gefühle und Reaktionen auszuhalten und eine möglichst positive Einstellung ihnen gegenüber zu entwickeln. Auch negative Gefühle haben einen bestimmten Zweck und Sinn. Und häufig ist es doch so, dass man bereits in der Vergangenheit viele solcher negativen Emotionen „überlebt“ hat, sich dessen nur nicht mehr bewusst ist. Ein Grund hierfür ist sicherlich, dass Gefühle nur eine begrenzte Zeit vorhanden sind. Ein Signal was dauerhaft schrillt, verliert schließlich irgendwann seinen Signalcharakter. Wichtig ist es daher, sich genau diesen Aspekt immer wieder zu verdeutlichen.

 

Schritt 5: Effektive Selbstunterstützung

 

Wenn wir in emotional belastende Situationen geraten, neigen wir oftmals dazu uns selbst zu kritisieren und abzuwerten. Damit geraten wir immer tiefer in den Teufelskreis hinein. Daher ist es wichtig zu lernen, sich selber Mut zuzusprechen und Mitgefühl mit sich selbst zu entwickeln.

 

Schritt 6: Analysieren

 

Ebenso wichtig ist es, seine Emotionen analysieren zu können. Oftmals verdecken sekundäre Emotionen unsere eigentlichen, dahinterliegenden Gefühle (z.B. Schuld für Ärger). Wenn wir verstehen welche Gefühle alles an der jeweiligen Reaktion beteiligt sind, fällt es uns leichter, geeignete Bewältigungsstrategien zu aktivieren.

 

Schritt 7: Regulieren

 

Im letzten Schritt geht es nun darum, unsere emotionale Reaktion aktiv zu verändern in eine gewünschte Richtung. Es wird dazu ein Zielgefühl entwickelt welches besser zur jeweiligen Situation passt und anschließend einzelne Schritte erarbeitet, wie wir zum jeweiligen Zielgefühl gelangen können.

 

Quelle:

Berking, M. (2008). Training emotionaler Kompetenzen: TEK - Schritt für Schritt. Heidelberg: Springer Medizin Verlag.

 

www.tekonline.info