Wissenschaftstheorie

Bei der Wissenschaftstheorie handelt es sich um ein Spezialgebiet der Philosophie, welches festlegt, wie Theorien aussehen sollen und was sie klären sollen.

 

Warum das Ganze?

Es gibt zwei grundlegende Fragen die uns Menschen beschäftigen:

  1. Was ist die Wirklichkeit?
  2. Wie können wir die Wirklichkeit erkennen?

 

Mit der ersten Frage befasst sich v.a. die Ontologie, d.h. die Seinslehre. Eine zentrale Frage hierbei ist, wie das Verhältnis zwischen Leib und Seele gestaltet ist (Leib-Seele-Problem). Die zwei extremsten möglichen Antworten auf diese Frage könnten sein:

  • Alles ist Seele, d.h. dass wir uns die Welt in unserer Vorstellung erschaffen. Somit würde die Wirklichkeit eigentlich garnicht existieren und auch nicht objektiv erfassbar.
  • Alles ist Materie, d.h. alles was wir Menschen erleben und so wie wir uns verhalten ist auf unsere Gehirnprozesse zurückführbar. Das würde bedeuten, dass alles objektiv erfassbar wäre. (Mit anderen Worten: alle mentalen Zustände sind auf physische Zustände zurückführbar).

 

Mit der zweiten Frage beschäftigt sich die Epistemologie , d.h. die Erkenntnistheorie. Wenn davon ausgegangen werden könnte,dass die Wirklichkeit tatsächlich existiert und nach bestimmten Gesetzmäßigkeiten verläuft, dann sollten sich diese Gesetzmäßigkeiten auch erkennen lassen.

Um sie zu erkennen, kann man auf zwei verschiedene Weisen vorgehen:

  • induktive Vorgehensweise: man beobachtet, was in bestimmten Situationen passiert und versucht anschließend eine Erklärung hierfür zu finden (hierbei gelangt man also von der Studie zur Theorie).
  • deduktive Vorgehensweise: man hat schon eine Erklärung im Kopf und überprüft anschließend, ob die Beobachtungen zur Erklärung passen (hierbei gelangt man von der Theorie zur Studie).

 

In der Wissenschaft wird hauptsächlich die deduktive Vorgehensweise verwendet, d.h. eine Person hat eine Theorie über ein bestimmtes Phänomen, leitet dann aus dieser Theorie Vorhersagen ab und überprüft anschließend, ob diese Vorhersagen zutreffen.

 

 

Wissenschaftstheoretische Ansätze

konventionelle Ansätze

Eine zentrale Annahme der konventionellen Ansätze ist, dass es eine tatsächlich existierende Welt gibt, die unabhängig  von unseren Vorstellungen ist.

 

Die bekanntesten Vertreter sind:

  • Karl Popper (kritischer Rationalismus),
  • Rudolf Carnap (logischer Empirismus),
  • Imre Lakatos (Methodologie wissenschaftlicher Forschungsprogramme),
  • Thomas Kuhn (historisch-soziologische Analyse).

 

Zu den aprioristischen Positionen (d.h. die Gültigkeit von vornherein annehmend) zählen der Logische Empirismus und der kritische Rationalismus.

 

Logischer Empirismus (Metatheorie):

  • hierbei handelt es sich um eine Theorie darüber, wie  Theorien aussehen sollen
  • er entstand als Gegenbewegung zur Psychoanalyse
  • die zentrale Forderung besteht darin, dass alle wichtigen (bedeutungsvollen) Aussagen, die eine Wissenschaft trifft, auf Beobachtungen zurückführbar sein sollen
  • somit ist die Beobachtung die Grundlage von Wissenschaft
  • diese Beobachtungen sollen in logischen Zusammenhängen dargestellt werden, d.h. alles soll in einer mathematischen Sprache ausgedrückt werden (formale Axiomatisierung)
  • dadurch sollen alle Theorien empirisch verifizierbar (d.h. beweisbar) sein.
  • er geht induktiv vor, d.h. von der Beobachtung zur Theorie
  • Das Problem dieses Ansatzes ist, dass Theorien niemals bewiesen werden können, weil etwas nur dann als vollständig bewiesen angesehen werden kann, wenn alles überprüft wurde (Beispiel: wenn man einen induktiven Schluß über eine Population treffen will, so müsste man auch die ganze Population in die Beobachtung einbeziehen).

 

Kritischer Rationalismus (Methodologie):

  • hierbei handelt es sich um eine Theorie darüber, wie Theorien überprüft werden sollen
  • Popper kritisierte am logischen Empirismus, dass Theorie die eigentlich nicht verifizierbar sind, auch nicht überprüft werden könnten
  • seine Lösung des Problems ist, dass man deshalb versuchen sollte, Theorien zu falsifizieren (d.h. sie zu widerlegen)
  • dass würde bedeuten, dass wenn eine Theorie nicht widerlegbar ist, dann stimmt sie
  • und im Umkehrschluss, wenn eine Hypothese besagt, dass ein spezifisches Ereignis beobachtbar ist, und dieses Ereignis anschließend nicht beobachtet werden kann, dann stimmt die Hypothese nicht (Modus tollens) - Beispiel: wenn eine Hypothese vorhersagt, dass Wasser bei 30°C gefriert, und dieses Ereignis tritt nicht ein, dann gilt die Hypothese als falsch und falsifiziert
  • dieses Vorgehen setzt voraus, dass zuerst eine Theorie existiert, die anschließend überprüft werden kann
  • eine wichtige Voraussetzung ist auch, dass die Aussagen, die widerlegt werden sollen, möglichst präzise formuliert und somit überprüfbar sind

 

 

 

 

Quellen:

 

Sedlmeier, P. & Renkewitz, F. (2008). Forschungsmethoden und Statistik in der Psychologie.München: Pearson Studium.