MCM (Meta-cognitive Model of attitude structure) - Petty & Brinol (2007)

Das unsichere Selbst

 

Unsicherheit scheint in der heutigen Zeit zunehmend eine Rolle zu spielen. Sie zeigt sich in den verschiedensten Bereichen: in der Gesellschaft, wo sie auftritt aufgrund sich verändernder Anforderungen, oder auch beim einzelnem Individuum.

 

Doch wo kommt diese Unsicherheit her? Welche Konsequenzen hat sie für uns? Und wie lässt sie sich reduzieren? Um diese Fragen zu beantworten, haben zahlreiche Forscher Theorien entworfen, welche meines Erachtens nach nicht immer nützlich oder vollständig durchdacht sind.

 

Eine dieser Theorien ist das MCM (meta-cognitive model of attitude structure) von Petty, Brinol und DeMarree (2007). Das Modell besagt, dass jede Einstellung eine evaluative Assoziation besitzt, also eine affektive Komponente.

Beispiel: Meine Einstellung zum Thema Rauchen kann entweder positiv oder negativ sein.

 

Mit dieser evaluativen Assoziation wird nun noch eine weitere Komponente verbunden, welche einen Einfluss darauf hat, ob diese Assoziation genutzt wird oder nicht. Diese zusätzliche Komponente ist in diesem Fall ein sogenanntes Sicherheits-Tag (validity tag).

 

Beispiel: Meine Einstellung zum Thema Rauchen ist negativ. Und dieser Assoziation bin ich mir sicher (oder unsicher).

 

Wenn man explizite Einstellungen betrachtet, ergibt dieses Modell durchaus Sinn und ist meiner Meinung nach nachvollziehbar. Anders sieht es jedoch aus, wenn implizite Einstellungen betrachtet werden, welche den Forschern zufolge nach dem selben Prinzip funktionieren.

 

Wenn eine Einstellung implizit ist, ist sie dem Bewusstsein nicht zugänglich, d.h. sie läuft unbewusst ab.


Beispiel: Explizit (bewusst) ist meine Einstellung zum Thema Rauchen negativ. Aber implizit (unbewusst) ist sie eher positiv.

 

Diese implizite Assoziation wird nun automatisch aktiviert, also ohne dass wir dies bemerken. Und auch hier wird ein Sicherheits-Tag an die Assoziation angehängt.


Kritisch hinterfragt: (siehe auch Diskussionsbereich)

 

Die Frage die sich mir hierbei stellt ist: Wo kommt diese Sicherheitskomponente her? Wie entsteht sie? Wie ist sie messbar? Leider geben die Forscher dazu keine weiteren Hinweise oder Vorschläge, so dass die Fragen unbeantwortet bleiben müssen.

 

Welche Auswirkungen haben diese Sicherheitskomponenten nun im unbewussten Bereich? Wenn wir uns einer impliziten Assoziation sicher sind, so wird sich dies in expliziten Messungen wiederfinden lassen. Wenn wir uns aber diesbezüglich unsicher sind, so schlägt sich diese Assoziation explizit nicht nieder, ist aber dennoch in der Lage, implizite Messungen zu beeinflussen, ebenso wie unser Verhalten (spontanes Verhalten) und unsere Informationsverarbeitungsprozesse im Sinne des erhöhten Argumenten-Effektes aufgrund impliziter-expliziter Diskrepanzen.

 

Zusammenfassend halte ich dieses Modell auf impliziter Ebene für wenig sinnvoll, da die Sicherheits-Tags meiner Meinung nach nicht messbar sind und eigentlich auch unnütz, da Assoziationen (implizit und explizit) durch Konsistenz und Erfahrung verstärkt werden und damit besser abrufbar sind und aufgrund dessen eigentlich keine zusätzliche Komponente benötigen, welche die selbe Wirkung hervorrufen soll.

 

Quellen:

Briñol, P. & Petty, R.E. (2003). Overt head movements and persuasion: a self-validation analysis. Journal of Personality and Social Psychology, 84 (6), 1123-1139.

 

Briñol, P., DeMarree, K.G. & Petty, R.E. (2010). Processes by which confidence (vs. doubt) influences the self. In R.M. Arkin., K.C. Oleson & P.J. Carroll (Hrsg.) Handbook of the Uncertain Self. New York: Taylor and Francis.

 

Petty, R.E, Briñol, P. & DeMarree, K.G. (2007). The Meta-cognitive Model (MCM) of attitudes: implications for attitude measurement, change, and strength. Social Cognition, 25 (5), 657-686.