Wie wir schnelle Entscheidungen fällen können

 

Angenommen Sie wollen eine Party feiern und müssen sich nun um die Getränke kümmern. Wie fällen sie die Entscheidung welche Getränke sie kaufen? Eine Möglichkeit bestünde darin die eingeladenen Gäste nach ihren Lieblingsgetränken zu fragen. Wenn es sich um eine kleine Gästerunde von 10 Personen handelt, wäre dies sicherlich möglich. Sind es jedoch mehr als 50 Personen könnte dies schwierig werden.

 

Eine weitere Möglichkeit eine Antwort auf unsere Frage ("Welche Getränke kaufe ich?") zu finden besteht darin uns für das Getränk zu entscheiden, was uns spontan einfällt. Studien haben gezeigt dass wir davon ausgehen, dass wenn uns etwas leicht einfällt oder wir es uns leicht vorstellen können, es auch häufig auftreten muss. Das liegt daran, dass wenn uns Dinge häufiger begegnen sie auch eher im Gedächtnis gespeichert werden und somit auch eher verfügbar sind.

 

Der Nachteil an dieser Art Entscheidungen zu fällen ist, dass es jede Menge Faktoren gibt, welche die Verfügbarkeit beeinflussen, also unabhängig sind von der tatsächlichen (objektiven) Auftretenshäufigkeit. Diese Faktoren führen in der Folge zu Fehlentscheidungen.

 

Einer dieser Faktoren betrifft die Art der Informationssuche im Gedächtnis: Informationen sind umso leichter im Gedächtnis abrufbar, wenn die Suche mit Hinweisreizen erfolgt. Wenn sie beispielsweise ein Kreuzworträtsel lösen wollen und  der Anfangsbuchstabe des gesuchten Wortes vorgegeben ist, dann fällt es ihnen auch leichter das Lösungswort zu finden. Also je effektiver die Suche im Gedächtnis erfolgt, desto leichter lassen sich Informationen abrufen.

 

Ein weiterer  Faktor betrifft den Zeitpunkt an welchem die Information aktiviert wurde. Je häufiger eine Information aktiviert wird, desto leichter ist sie abrufbar. Ebenfalls leichter abrufbar sind Informationen, welche erst kürzlich aktiviert wurden.

Beispiel: Wenn sie jeden Tag im Fernsehen eine Werbung für das Getränk "Wodka" sehen, wird ihnen dieses Getränk sicherlich als eines der ersten Getränke für ihre Party einfallen.

 

Ebenfalls von Bedeutung bei der Urteilsfällung ist die Auffälligkeit und Lebhaftigkeit von Ereignissen. Je auffälliger und detaillierter ein Ereignis beschrieben wird, desto leichter wird es vorstellbar und abrufbar. Wenn die Fernsehwerbung also eine bunte tolle Party zeigt, auf welcher alle Personen Wodka trinken, so ist es auch für uns leichter vorstellbar, wie unsere Party mit Wodka ablaufen könnte .

 

Ein letzter Faktor auf den ich eingehen möchte ist die Ereignisverknüpfung. Sie besagt, dass wenn zwei Ereignisse gemeinsam auftreten, diese leichter abrufbar sind und gleichzeitig häufiger überschätzt werden.

Beispiel: Die beiden Ereignisse Party und  Wodkakonsum sind leichter vorstellbar und werden deshalb überschätzt, als die beiden Ereignisse Party und Orangensaftkonsum.

Statistisch gesehen müssten wir jedoch auch die Wahrscheinlichkeiten für weitere Konstellationen berücksichtigen:

1. Party mit Wodkakonsum

2. Party ohne Wodkakonsum

3. keine Party - Wodkakonsum

4. keine Party - kein Wodkakonsum

Da dies jedoch sehr aufwendig wäre betrachten wir im Normalfall nur die einfache Kombination "Party mit Wodkakonsum".

 

Zusammengefasst basiert die Verfügbarkeitsheuristik also auf der Leichtigkeit des Abrufs. Es gibt jedoch auch Bedingungen unter denen der Inhalt der verfügbaren Information wesentlich bedeutsamer ist als die Leichtigkeit des Abrufs.

Beispiel: Je wichtiger ein bestimmtes Thema für eine Person ist, und je relevanter, desto eher fällt sie die Entscheidung aufgrund des Inhaltes der Information.