Die Vereinfachung von Urteilen

 

Die Repräsentativitätsheuristik dient der Vereinfachung von Urteilen, indem sie die Repräsentativität eines konkreten Falles als entscheidendes Kriterium für Wahrscheinlichkeits- bzw. Kategorisierungsurteile heranzieht.

 

Beispiel: Auf welche der beiden folgenden Zahlenreihen würden Sie im Lotto eher setzen?

A) 1        2        3       4        5          6

B) 23      45      7       15       43        22

Vermutlich werden Sie sich für die zweite Zahlenreihe entschieden haben, genau wie das die meisten Menschen machen würden. Objektiv betrachtet sind jedoch beide Zahlenreihen gleich wahrscheinlich. Wieso also entscheidet sich ein Großteil der Personen für Antwort B?


Die Antwort ist ganz einfach. Um ein Ergebnis eines Zufallsprozesses als repräsentativ wahrzunehmen, muss es auch möglichst "zufällig" aussehen. Das heisst, es muss viele Unregelmäßigkeiten enthalten, so wie das bei Antwort B der Fall ist.

 

Im Falle der Repräsentativitätsheuristik ordnen Personen also Elemente derjenigen Kategorie zu, mit dessen Prototyp es die meiste Ähnlichkeit aufweist.

Der Nachteil von Heuristiken ist, dass sie zu Fehlentscheidungen führen können. Solche Fehlentscheidungen können hierbei aufgrund der sogenannten Konjunktionstäuschung oder aufgrund der Vernachlässigung der Basisrate zustande kommen.

 

Unter der Konjunktionstäuschung versteht man eine Überschätzung der Wahrscheinlichkeit von Kombinationen bestimmter Ereignisse. Dass bedeutet, dass zwei Ereignisse zusammen einer Person typischer erscheinen, als ein Ereignis für sich.

 

Die Vernachlässigung der Basisrate bedeutet, dass bedeutsame statistische Informationen häufig bei der Urteilsbildung vernachlässigt werden, sobald Menschen über konkrete Vorstellungen der Kategorien (Prototypen, Stereotypen) verfügen.

 

Es gibt Faktoren, welche helfen solche Fehlurteile zu verringern. Dazu zählen unter anderem die Aufmerksamkeitslenkung und die Wahl des Häufigkeitsformats.


Wird die Aufmerksamkeit der Person durch zum Beispiel Training auf die Aufgabenstellung gelenkt, wird auch eher auf die Basisrate geachtet und es kommt seltener zu Konjunktionstäuschungen.

 

Bei der Wahl des Häufigkeitsformats sollte eher auf relative Häufigkeitsangaben (z:B. 1 von 10) zurückgegriffen werden anstelle von zum Beispiel Prozentangaben (z.B. 10%) oder Wahrscheinlichkeitsangaben, da zweiteres abstrakte Konzepte sind, die von Menschen schwieriger verarbeitet werden.

 

Insgesamt betrachtet stellen die Repräsentativitätsheuristiken also eine gute Möglichkeit dar im Alltag schnelle und einfache Urteile zu bilden. Jedoch können sie auch zu Fehlurteilen führen. Diese Fehlurteile wiederum können verringert werden, indem man bei der Aufgabenstellung darauf achtet möglichst einfache Häufigkeitsformate zu wählen und indem die Aufmerksamkeit des Probanden speziell auf die Aufgabenstellung gelenkt wird.