Somatoforme Störungen

Untergruppen

DSM-IV-TR  ICD-10
Somatisierungsstörung (300.81)
 Somatisierungsstörung (F45.0)
Undifferenzierte somatoforme Störung (300.82) undifferenzierte Somatisierungsstörung (F45.1)
Konversionsstörung (300.11) somatoforme autonome Funktionsstörung (F45.3)
Schmerzstörung (307.8x) anhaltende somatoforme Schmerzstörung (F45.4)
Hypochondrie (300.7) hypochondrische Störung (F45.2)
Nicht näher bezeichnete somatoforme Störung (300.81) sonstige somatoforme Störungen (F45.8)

 

 

Untergruppen nach Anzahl der Symptome

polysymptomatisch monosymptomatisch
hypochondrisch/ dysmorphobisch

Somatisierungsstörung

somatoforme Schmerzstörung
 Hypochondrie

undifferenzierte somatoforme Störung

chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
Körperdysmorphe Störung

somatoforme autonome Funktionsstörung

Konversionsstörung


Hauptmerkmale somatoformer Störungen

Ein wesentliches Hauptmerkmal welches alle somatoformen Störungen gemeinsam haben ist, dass die Betroffenen unter körperlichen Beschwerden leiden, welche nicht hinreichend durch einen medizinischen Krankheitsfaktor erklärt werden können. In der Regel interpretieren die Patienten ihre körperlichen Missempfindungen organmedizinisch und kommen nicht auf den Gedanken, dass psychologische Faktoren beteiligt sein könnten. Aufgrunddessen  haben sie oft schon eine jahrelange Behandlungskarriere hinter sich, bevor sie letztendlich in einer Psychotherapeutischen Praxis ankommen.

 

Diagnostik

Fremdbeurteilungsverfahren

Die am häufigsten verwendeten Fremdbeurteilungsverfahren sind u.a.:

  • SKID (Strukturiertes Interview; Wittchen et al., 1997)
  • DIPS (Diagnostisches Interview bei psychischen Störungen; Schneider, In-Albo & Markgraf,2006)
  • CIDI (Composite International Diagnostic Interview; Wittchen & Pfister, 1997)
  • IDCL (Internationale Diagnosechecklisten; Hiller, Zaudig & Mombour, 1995)

Selbstbeurteilungsverfahren

Die am häufigsten verwendetem Selbstbeurteilungsverfahren sind u.a.:

  • SOMS (Screening für somatoforme Störungen; Rief et al., 1997)
  • FKG (Fragebogen zu Körper und Gesundheit; Hiller et al., 1997)
  • WI (Whiteley-Index; Hiller & Rief)
  • SCL-90-R (Symptom-Checklist; Franke, 2002)
  • IAS (Illness Attitude Scales; Hiller & Rief, 2004)

Psychophysiologisches Störungsmodell

Rief und Hiller (1998) postulieren in ihrem Modell, dass ganz am Anfang ein spezifischer Auslöser (Trigger) vorhanden sein muss. Dieser kann unter anderem in Form von gesteigerten physiologischen Erregungszuständen zum Beispiel als Folge von psychosozialen Stressoren oder als länger andauernde primäre somatische Erkrankung (z.B. Infektionen) auftreten. Diese Auslöser können anschließend zu körperlichen Veränderungen führen (z.B. Missempfindungen).


Auslöser --> körperliche Veränderungen


Diese Veränderungen werden dann vom Patienten gesteigert wahrgenommen, in diesem Fall spricht man vom sogenannten "Checking behavior", und als bedrohliche Krankheitszeichen fehlinterpretiert.


körperliche Veränderung --> gesteigerte Wahrnehmung --> Fehlinterpretation


Diese Fehlinterpretation wiederum führt zu einer Symptomverstärkung sowie zu einem das Krankheitsbild aufrechterhaltenden Krankheitsverhalten (z.B. Schonverhalten, Checking behavior, Einnahme von medikamenten, häufige Arztbesuche). 


Fehlinterpretation -->Symptomverstärkung und Krankheitsverhalten


Dies führt in der Folge zu weiteren körperlichen Veränderungen, welche den gesamten Teufelskreis weiter verstärken.


Symptomverstärkung und Krankheitsverhalten --> körperliche Veränderungen --> gesteigerte Wahrnehmung