Wirkfaktoren der Psychotherapie (nach Grawe)

 

Aufgrund zahlreicher Meta-Analysen postulierte Klaus Grawe (2000), in einem schulenübergreifenden Modell, fünf allgemeine Wirkfaktoren von Psychotherapie:

 

  1. Therapeutische Beziehung

 

Die Qualität der Beziehung zwischen Therapeut und Patient, also ob die Chemie zwischen beiden stimmt, trägt signifikant zum Therapieergebnis bei. Je besser die Qualität der Beziehung ist, desto besser ist das Therapieergebnis.

  

  1. Problemaktualisierung

 

Unter Problemaktualisierung versteht man das Prinzip der unmittelbaren Erfahrung, d.h. die Probleme, die es therapeutisch zu verändern gilt, müssen im Hier und Jetzt erlebbar gemacht werden. Allein Gespräche über Erleben und Verhalten, ohne dass es in dem Moment auch prozessual abläuft, helfen nicht, Veränderungen herbeizuführen. Sie können jedoch nützlich sein, um eventuelle Veränderungen vorzubereiten. Damit diese dann jedoch auch stattfinden, braucht es den Moment des unmittelbaren Erlebens. In der Verhaltenstherapie kann dies mittels Expositionen erreicht werden, in der Psychoanalytischen Therapie geschieht dies mittels Übertragung und Gegenübertragung. Weitere Methoden sind z.B. Imaginationsübungen, Rollenspiele.

 

  1. Ressourcenaktivierung

 

Nicht der Therapeut verändert den Patient, sondern der Patient selbst ist für seine Veränderung verantwortlich. Im Rahmen der Ressourcenaktivierung werden hierbei die bereits vorhandenen Ressourcen des Patienten nutzbar gemacht.  Um dies zu erreichen, sollte die Aufmerksamkeit darauf gelenkt werden,  was der Patient bereits alles erreicht hat, was gut funktioniert hat, welche Stärken und Fähigkeiten er besitzt, auf welche Erfahrungen er zurückgreifen kann, was er bereits alles überwunden hat. Die Eigenarten, die der Patient mitbringt, können dann als positive Ressourcen für das therapeutische Vorgehen genutzt werden.

 

Ein mögliches Vorgehen stellt in der Verhaltenstherapie u.a. der "solution-talk" (Lösungsorientierte Gesprächsführung) dar.

 

Die Ressourcenperspektive bestimmt das WIE der Veränderung, während die Problemperspektive das Was der Veränderung beschreibt.

 

  1. Problembewältigung

 

Hierbei handelt es sich um die konkrete Handlungsorientierung. Mit Hilfe von problemspezifischen Maßnahmen soll der Patient darin unterstützt werden, im Umgang mit seinen Problemen, positive Bewältigungserfahrungen zu machen.

 

Dies geschieht beispielsweise dadurch, dass der Therapeut den Patienten in der Exposition begleitet.

 

  1. Motivationale Klärung

 

Dies beinhaltet alle Vorgehensweisen, bei denen der Therapeut den Patienten unterstützt, sein Erleben und Verhalten in Bezug auf seine unbewussten und bewussten Ziele und Bedürfnisse zu verstehen. Auch hierbei ist die unmittelbare Erfahrung wichtig. Es geht jedoch weniger um äußere Abläufe, als vielmehr um alles, was in dem Patienten abläuft. Also was er wahrnimmt, denkt, fühlt, wie er handeln möchte bzw. was er vermeiden will. Methoden hierfür stellen zum  Beispiel der Sokratische Dialog oder die 2-Stühle-Technik dar.

 

 

Kurz und Kompakt

Die fünf Wirkfaktoren nach Grawe sind:

1. therapeutische Beziehung

2. Problemaktualisierung

3. Ressourcenaktivierung

4. Problembewältigung

5. motivationale Klärung

 

 

Falls Fragen oder Anregungen zu diesem Modell entstehen, kann dieser Bereich genutzt werden, um diese eventuell gemeinschaftlich zu klären oder um sich gemeinschaftlich auszutauschen.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0

Literatur:

Grawe, K. (2000). Psychologische Therapie. Göttingen: Hogrefe-Verlag.

 

Kandale, O. & Rugenstein, K. (2016). Das Repetitorium - Lehr- und Lernbuch für die schriftlichen Abschlussprüfungen zum Psychologischen Psychotherapeuten und zum Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten. Berlin: Deutscher Psychologen Verlag GmbH.