Das Allgemeine Modell der Psychotherapie (AMP, Orlinsky & Howards, 1988)

Generic Modell of Psychotherapy

 

Hierbei handelt es sich um ein schulenübergreifendes Modell aus der Psychotherapieforschung, welches auf empirischen Ergebnissen der Prozess-Ergebnis-Forschung, basiert. Im Rahmen der differenziellen Indikation sollen Angaben darüber gemacht werden können, welche Maßnahmen, bei wem, durch wen, wann, bei welchem Problem und unter welchen Bedingungen, zu welchen Ergebnissen führt.

 

Orlinsky & Howard (1988) waren der Auffassung, dass die Prognose einer Therapie allgemein, dann günstig ist, wenn es eine Passung der folgenden vier Faktoren gibt:

 

  1. Das Behandlungsmodell des Therapeuten
  2. Die Störung des Patienten
  3. Therapierelevante Merkmale des Therapeuten 
  4. Therapierelevante Merkmale des Patienten.

 

Im Rahmen einer Psychotherapie kommt es in der Regel zu einer Interaktion zwischen (mindestens) zwei Personen, nämlich dem Therapeut und dem Patient, die in einem bestimmten Kontext stattfindet. Beeinflusst wird diese Interaktion sowohl durch das Leben und die Persönlichkeit des Therapeuten als auch des Patienten. Hinzu kommen Faktoren wie z.B. das therapeutische Setting (Klinik, Privatpraxis), das Versorgungssystem (u.a. Krankenversicherung), soziale Institutionen innerhalb des Versorgungssystems (z.B. Gerichte, gemeinnützige Institutionen) und außerhalb dessen (z.B. Familie des Patienten und Therapeuten, Freunde) sowie ökonomische oder politische Ereignisse (z.B. nationale Krisen).

 

Es zeigt sich, dass einerseits individuelle und kollektive Kontextfaktoren einen Einfluss auf das therapeutische Geschehen haben (input), andersherum aber auch der therapeutische Prozess einen Einfluss auf das Leben und die Persönlichkeit des Patienten (outcome) , den Therapeuten und die Gesellschaft ausübt (output).

 

Die drei Hauptkomponenten einer Psychotherapie sind demnach:

 

  1. Rahmenbedingungen oder Inputvariablen (Versorgungssystem, Settingmerkmale, Patienten-/Therapeutencharakteristika)
  2. Prozessmerkmale (Behandlungsmodell, Therapeuten-Patienten-Beziehung, Interventionen, Funktionsniveau von Therapeut und Patient, unmittelbare Auswirkung der einzelnen Therapiesitzung, Prozessablauf der Therapie)
  3. Ergebnis- oder Outputvariablen (Effekte, soziale/personale Rahmenbedingungen und soziale Beziehungen).

 

 Das Generic Modell of Psychotherapy von Orlinsky & Howard beschreibt zudem sechs Prozessfacetten, die  die Wirksamkeit einer Psychotherapie beeinflussen:

 

  1. Formale Beziehung (normativer bzw. organisatorischer Aspekt)

 

Die formale Beziehung beinhaltet den normativen Rahmen, wie zum Beispiel die sozialen Rollen oder Normvorstellungen. So kann es zum Beispiel  bestimmte Vorstellungen davon geben, wie sich ein idealer Therapeut oder Patient zu verhalten hat. Außerdem werden hier die Rahmenbedingungen, unter denen die Therapie stattfindet, beschrieben (z.B. therapeutische Ausrichtung, Übereinstimmung hinsichtlich der Behandlungsziele und Klarheit bezüglich der Erwartungen, Sitzungsanzahl pro Woche, finanzielle Vereinbarungen, Eignung des Patienten für die Behandlungsform, Mitarbeit des Patienten).

 

  1. Therapeutische Aktivitäten (technischer bzw. prozeduraler Aspekt)

 

Der prozedurale Aspekt erfasst (rollenabhängig) u.a., ob der Patient die Möglichkeit hat, sein Problem dem Therapeuten mitzuteilen (Problempräsentation), ob der Therapeut seine professionellen Fähigkeiten und sein Expertenwissen einsetzt, um das Problem des Patienten zu verstehen (Verständnis des Therapeuten), ob er auf Grundlage seines Fachwissens Vorschläge macht, wie mit dem Problem des Patienten umgegangen werden kann (Interventionen) und ob der Patient sich aktiv an der Umsetzung der Vorschläge beteiligt bzw. kooperiert (Kooperation des Patienten).

 

  1. Informelle Beziehung (interpersoneller Aspekt)

 

Hier werden die interpersonellen Aspekte der Therapeut-Patienten-Beziehung qualitativ beschrieben, u.a. durch die Qualität der Zusammenarbeit. Diese basiert zum einen auf der persönlichen Involviertheit (d.h. in wie weit lassen sich Therapeut und Patient auf ihre jeweiligen Rollen ein) und der Koordination der Interaktionen (d.h. koordinieren beide die Therapie aktiv und lassen sich aufeinander ein bzw. gehen wertschätzend und anerkennend miteinander um) und zum Anderen auf der Qualität des persönlichen Rapports.

 

  1. Selbstbezogenheit (intrapersoneller bzw. reflexiver Aspekt)

 

Dieser Aspekt bezieht sich auf die Selbstkontrolle, Selbstwahrnehmung und den Selbstwert des Therapeuten und des Patienten sowie die Wahrnehmung dieser Prozesse beim Interaktionspartner. Positive intrapersonelle Aspekte wären z.B. Offenheit, Zufriedenheit. Negative intrapersonelle Aspekte hingegen sind Abwehr oder Einengung.

 

  1. Unmittelbare Einflüsse der Sitzung (klinischer bzw. pragmatischer Aspekt)

 

Hierbei werden unmittelbare kurzfristige Auswirkungen einer Therapiesitzung beschrieben. Positive Auswirkungen können sein, dass der Patient Zusammenhänge erkennt, Selbstwirksamkeit erfährt oder interpersonelle Konflikte löst. Negative Auswirkungen wären beim Patienten z.B. Schamgefühle, Angstgefühle und beim Therapeuten Frustrationserleben.

 

  1. Zeitliche Muster (sequentieller Aspekt)

 

Hierbei werden zeitliche Muster innerhalb einer Sitzung, innerhalb aufeinanderfolgenden Sitzungen oder innerhalb einer ganzen Therapie erfasst.

 

 

Die einzelnen Wirkvariablen stehen laut Orlinsky et al. (2013) in komplexer Wechselbeziehung zueinander.

 

Kurz und Kompakt

Die sechs Processfacetten sind:

1. Formale Beziehung (normativer bzw. organisatorischer Aspekt)

2. therapeutische Aktivitäten (technischer bzw. prozeduraler Aspekt)

3. Informelle Beziehung (interpersoneller Aspekt)

4. Selbstbezogenheit (intrapersoneller Aspekt)

5. unmittelbare Einflüsse der Sitzung (klinischer bzw. pragmatischer Aspekt)

6. zeitliche Muster (sequentieller Aspekt)

 

Die Wirksamkeit der Therapie ist abhängig von der Passung zwischen:

1. Behandlungsmodell des Therapeuten

2.der Störung des Patienten

3. therapierelevanten Merkmalen des Therapeuten

4. therapierelevanten Merkmalen des Patienten.

 

 

Falls Fragen oder Anregungen zu diesem Modell entstehen, kann dieser Bereich genutzt werden, um diese eventuell gemeinschaftlich zu klären oder um sich gemeinschaftlich auszutauschen.

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