Persönlichkeitsstil vs. Persönlichkeitsstörung

In Anlehnung an Trautmann-Sponsel und Zaudig (2003):

 

Der Persönlichkeitsstil einer Person ist dadurch gekennzeichnet, dass die Person mit ihrem spezifischem Verhalten etwas Positives erreichen möchte. Sie erhält in diesem Fall für gewöhnlich eine positive Verstärkung. Die Person kann dieses Verhalten aber auch sein lassen ohne dadurch massive unangenehme Gefühle zu erleben.

 

Im Unterschied dazu zielt das Verhalten von  Personen mit einer Persönlichkeitsstörung eher darauf ab, eine Situation die sie als subjektiv existenzbedrohend wahrnehmen, zu vermeiden. Das bedeutet, dass ihr Verhalten durch eine negative Verstärkung (z.B. ständige Angstvermeidung) hervorgerufen wird.

 

In Anlehnung an DSM-IV-TR und ICD-10:

 

 

Unter Persönlichkeitsstörungen werden im ICD-10 schwere Störungen der Persönlichkeit sowie des Verhaltens einer Person verstanden, die nicht direkt durch eine andere psychische Erkrankung oder eine Hirnschädigung zustande kommen. Sie betreffen dabei verschiedene Bereiche des Lebens und verursachen großes persönliches Leiden sowie soziale Beeinträchtigungen. Die Betroffenen zeigen dauerhafte und für sie charakteristische Verhaltensmuster und Erfahrungsmuster, die sich im Großen und Ganzen von kulturell erwarteten und akzeptierten Normen unterscheiden. Diese Abweichungen sind hierbei in ihren Kognitionen, ihrer Affektivität, ihrer Impulskontrolle und in ihren zwischenmenschlichen Beziehungen zu finden und führen zu einem Verhalten, was unangepasst, unflexibel oder aber auch unzweckmäßig in den vorliegenden Situationen ist. Ein weiterer wichtiger Punkt für die Diagnosestellung ist außerdem, dass diese Abweichungen lang andauernd sind und bereits in der späten Kindheit bzw. in der Adoleszenz begonnen haben.[1]

Die genannten Kriterien beziehen sich vor allen Dingen auf Verhaltensweisen und Erfahrungen die sich in der Interaktion mit der sozialen Umwelt zeigen. Aus diesem Grund wird deshalb davon ausgegangen, dass es sich bei Persönlichkeitsstörungen vorrangig um Beziehungsstörungen handelt.[2] Nach diesem Verständnis ist demnach nicht die Person selbst gestört, sondern es liegt vielmehr ein komplex gestörtes Beziehungsverhalten vor. Es liegen für diese Person charakteristische kognitive Interpretations- und Erlebensmuster vor,[3] welche mit bestimmten Verhaltensweisen (meist dysfunktionalen) verknüpft sind.

 

Persönlichkeitsstörungen sind in den derzeit gängigen Klassifikationssystemen (ICD-10, DSM V) die einzigen Kategorien die stark negativ bzw. abwertend beschrieben werden. Dies zeigt sich darin, dass sie als eine Abweichung von der Norm, als unflexibel oder unangepasst beschrieben werden. Hierbei wird jedoch nicht näher definiert, was die Norm überhaupt ist. Zurückzuführen ist diese negative Besetzung dieses Begriffs auf Prichard (1895), welcher von „moral insanity“, was übersetzt so viel bedeutet wie „moralischer Schwachsinn“, sprach. In Deutschsprachigen Schulen prägte Koch (1891-1893) den Begriff „psychopathische Minderwertigkeiten“.[4]



[1] Dilling, H. & Freyberger, H.J. ( 2011) Taschenführer zur ICD-10-Klassifikation psychischer Störungen. 5. Auflage. Bern: Hans Huber Verlag.

[2] Sachse, R., Sache, M. & Fasbender, J. (2011). Klärungsorientierte Psychotherapie von Persönlichkeitsstörungen. Göttingen: Hogrefe Verlag.

[3] Renneberg, B. & Fydrich, T. (2012). Persönlichkeitsstörungen.  In.W. Hiller, E.Leibing, & S.K. Sulz. Lehrbuch der Psychotherapie – Band 3 Verhaltenstherapie. München: CIP-Medien.

[4] Trautmann, R.D. (2004). Verhaltenstherapie bei Persönlichkeitsstörungen und problematischen Persönlichkeitsstilen. Stuttgart: Klett-Cotta Verlag.

 

 

Quellen:

 

Trautmann, R.D. (2004). Verhaltenstherapie bei Persönlichkeitsstörungen und problematischen Persönlichkeitsstilen. Stuttgart: J.G. Cotta´sche Buchhandlung Nachfolger GmbH.

 

Wittchen, H.U. & Hoyer, J. (Hrsg.) (2006). Klinische Psychologie & Psychotherapie. Heidelberg: Springer Medizin Verlag.

 

Wittchen, H.U. (1998). Handbuch Psychische Störungen. Weinheim: Psychologie Verlags Union.