Formen der Persönlichkeitsstörungen

Paranoide Persönlichkeitsstörung

 

 

ICD-10 :      F60.0

 

DSM-IV-TR:    Cluster A (301.00)


 

Die Kennzeichen einer paranoiden Persönlichkeitsstörung sind:

  • Misstrauen und Argwohn gegenüber anderen Personen, d.h. die betreffende Person vermutet ohne hinreichende Grundlage das alle anderen sie nur schädigen, ausnutzen oder täuschen wollen.
  • sie sind übertrieben empfindlich wenn sie Rückschläge und Zurücksetzungen erfahren
  • und beharren (streitsüchtig und unangemessen) auf ihre eigenen Rechte.

 

Betroffene Personen erwarten demnach ständig, dass andere versuchen werden, sie herabzusetzen oder ihnen zu schaden. Das ist auch ein Grund dafür, dass sie niemandem Vertrauen entgegenbringen.

Häufig sind sie krankhaft eifersüchtig und zweifeln an der Vertrauenswürdigkeit oder Treue ihrer Partner und Freunde.

Wenn sie sich beleidigt oder zurückgesetzt fühlen, geraten sie schnell in Zorn. Dies führt oftmals auch dazu, dass Personen mit paranoider Persönlichkeitsstörung Schwierigkeiten am Arbeitsplatz haben.

 

Berühmte Personen mit paranoider Persönlichkeitsstörung:

 

Ein Beispiel für eine paranoide Persönlichkeitsstörung was vermutlich jeder (zumindestens namentlich) kennen dürfte ist Iossif Wissarionowitsch Dschugaschwili, der besser bekannt ist unter dem Name Josef Stalin.

 

Stalin bedeutet "Mann aus Stahl". Er galt als unberechenbar, überempfindlich gegenüber Kritik, misstrauisch und krankhaft eifersüchtig. Außerdem  handelte er  häufig absolut willkürlich.

 

Josef Stalin
Josef Stalin

Typische Grundüberzeugungen (nach Beck 1999):


1. Ich kann anderen Menschen nicht trauen. 
2. Wenn ich nicht aufpasse, versuchen andere, Nutzen aus mir zu ziehen oder mich zu manipulieren.
3. Ich muss immer auf der Hut sein..
4. Menschen nutzen mich aus, wenn ich ihnen die Chance dazu gebe.
5. Andere Menschen wollen mich mit Absicht erniedrigen.
6. Die Leute wollen mich häufig mit Absicht verärgern. 
7. Wenn andere Menschen etwas über mich herausfinden, werden sie es gegen mich verwenden.
8. Die Leute sagen häufig etwas, meinen aber etwas ganz anderes.
9. Jemand, der mir nahesteht, könnte illoyal oder untreu sein.

 


Ursachen / Entstehung

Die betroffenen Personen haben schon früh in ihrer Kindheit gelernt, dass sie niemandem vertrauen schenken können. Sie wachsen häufig in einer Umgebung auf, die geprägt ist von Streitigkeiten bis hin zu Grausamkeiten. Ihnen fehlt es an mangelnder elterlicher Zuwendung, statt dessen erfahren sie oft emotionale Vernachlässigung und eine Zurückweisung ihres kindlichen Anlehnungsbedürfnisses.

Sie sehen sich selbst als schuldloses, gerechtes und verletzbares Opfer und ihre Mitmenschen empfinden sie als einmischend und nur auf ihre eigenen Vorteile bedacht.

Ihre Kernmotive sind:

  • Schutz, um nicht verletzt zu werden sowie
  • ihre Ausnutzung und Benachteiligung vermeiden.

Sie versuchen diese Motive durch eine erhöhte Wachsamkeit und Zurückhaltung, sowie durch Argwohn und Misstrauen zu erreichen.

Sie sind hoch empfindlich gegenüber Kritik, was auf ihre Fehlwahrnehmung interpersoneller Konflikte zurückzuführen ist.

 

 

Prävalenz

Die Prävalenz der paranoiden Persönlichkeitsstörung liegt zwischen 0,5 und 2,3 % in der Normalbevölkerung.

 

Männer sind häufiger betroffen als Frauen.

 

 

Differentialdiagnose

Abzugrenzen ist die paranoide Persönlichkeitsstörung von:

  • der paranoiden Schizophrenie (F20.0),
  • der schizoiden Persönlichkeitsstörung (F60.1),
  • der schizotypen Störung (F21),
  • anhaltenden wahnhaften Störungen (F22) und
  • akuten vorübergehenden psychotischen Symptomen der Schizophrenie (F23.1).

 

 

Gemeinsamkeiten und Unterschiede
Differentialdiagnose
Gemeinsamkeiten
Unterschiede zu paranoider PS
paranoide Schizophrenie (F20.0)

Neigung zu sozialem Rückzug

 

übersteigertes Misstrauen

 

sozialer Rückzug steht nicht im Vordergrund

 

besitzen systematische Wahnformen

 

 

schizoide Persönlichkeitsstörung (F60.1)

übersteigertes Misstrauen fehlt bei schizoider Persönlichkeitsstörung

 

Schizoide lehnen sozialen Kontakt meist selbst ab,bei der paranoiden  PS fühlen sich die Betroffenen oft von außen an sozialen Kontakten gehindert

schizotypische Störung (F21)

 

übersteigertes  Misstrauen

 

anhaltende wahnhafte Störung (F22)

 

übersteigertes Misstrauen besitzen systematische Wahnformen

akute vorübergehende psychotische Symptome der Schizophrenie (F23.1)

 

übersteigertes Misstrauen besitzen systematische Wahnformen

Hinweise für die Therapie


Aufgrund des übersteigerten Misstrauens gegenüber anderen Personen bei Personen mit einer paranoiden Persönlichkeitsstörung, muss sich auch der Therapeut das Vertrauen seines Klienten erst verdienen. 

 

 

Buchquellen:


Beck, A.T., Freeman, A. (1999): Kognitive Therapie der Persönlichkeitsstörungen, Weinheim: Beltz.

 

Fiedler, P. (2007): Persönlichkeitsstörungen. Weinheim: Beltz.

 

Lange-Eichbaum, W. & Kurth, W. (1979): Genie, Irrsinn und Ruhm (Band 1-11). München: Ernst Reinhardt Verlag.


Trautmann, R.D. (2004). Verhaltenstherapie bei Persönlichkeitsstörungen und problematischen Persönlichkeitsstilen. Stuttgart: J.G. Cotta´sche Buchhandlung Nachfolger GmbH.

 

Tress, W.,  Wöller, W., Hartkamp, W., Langenbach, M. & Ott, J. (2002). Persönlichkeitsstörungen. Stuttgart: Schattauer GmbH.

 

Wittchen, H.U. & Hoyer, J. (Hrsg.) (2006). Klinische Psychologie & Psychotherapie. Heidelberg: Springer Medizin Verlag.

 

Wittchen, H.U. (1998). Handbuch Psychische Störungen. Weinheim: Psychologie Verlags Union.

 

Internetquellen:

http://psychiatrie-heute.net/pdf/faust1_macht.pdf

http://www.psychosoziale-gesundheit.net/psychohygiene/genie.html

http://www.stoerung-der-persoenlichkeit.de

 

 Bildquellen:

http://huemer94.hu.funpic.de/Bilder/stalin.jpg

http://schoolworkhelper.net/wp-content/uploads/2011/05/Paranoid-Personality-Disorders-1.jpg