Persönlichkeitsstörungen

Diagnostik

standardisierte Interviews:

  • SKID-II (deutsche Version: Fydrich, Renneberg, Schmitz & Wittchen, 1997)
  • IPDE (Loranger et al., 1994) - offizielles Instrument der WHO

 

Fragebögen zur Selbstbeurteilung:

  • PDQ-4+ ("Personality Disorders Questionnaire", Hyler, 1994)
  • PSSI (Persönlichkeitsstil und Störungs-Inventar, Kuhl & Kazén, 1997)

Epidemiologie

Prävalenzraten in Bevölkerungsstichproben:

  • 5-10% in unterschiedlichen Kulturkreisen und Bevölkerungsgruppen
  • die höchsten Prävalenzraten (2-6%) erreichten die schizotypischen, zwanghaften und abhängigen Persönlichkeitsstörungen
  • die niedrigsten Prävalenzraten (<1%) erreichten die paranoiden, narzisstischen und schizoiden Persönlichkeitsstörungen

 

Prävalenzraten in klinischen Stichproben (Einrichtungen):

  • Bei Patienten die sich in ambulanter oder stationärer Behandlung befanden, kamen  Persönlichkeitsstörungen zwischen 2-16% vor.
  • die höchsten Prävalenzraten erzielten die selbstunsicher-vermeidende (11-16%), die Borderline- (5-14%), die abhängige (2-7%) sowie die histrionische (2-7%) Persönlichkeitsstörungen (in Abhängigkeit von der jeweiligen Einrichtung)

Einteilung unter dem Gesichtspunkt Nähe-Distanz

Bei Nähe-Störungen versucht die Person stets aktiv Nähe zu einem Interaktionspaertner herzustellen, um durch diese ihre eigene Identität immer wieder zu bestätigen. Sie suchen demnach Kontakt und gehen oft vielzählige soziale Beziehungen ein. Um Nähe herzustellen verwenden sie häufig manipulative Strategien.

Zu den Nähe-Störungen zählen die:

  • narzisstische Persönlichkeitsstörung
  • histrionische Persönlichkeitsstörung
  • selbstunsichere / ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung
  • und die dependente Persönlichkeitsstörung.

Bei den Distanz-Störungen versuchen die Betroffenen hingegen aktiv Nähe zu vermeiden, da sie die Welt als bedrohlich erfahren. Beziehungen sind für diese Personen nicht wichtig und deshalb verteidigt sie ihre eigenen Grenzen häufig mittels manipulativer Strategien.

Zu den Distanz-Störungen zählen die:

  • passiv-aggressive Persönlichkeitsstörung
  • schizoide Persönlichkeitsstörung
  • paranoide Persönlichkeitsstörung
  • und die zwanghafte Persönlichkeitsstörung.

Ätiologie-Modelle

Modell der doppelten Handlungsregulation (Sachse, 1997)

Bei Persönlichkeitsstörungen handelt es sich ganz allgemein um komplexe Störungen die sich auf das Denken, Fühlen und Handeln einer Person auswirken.

Fiedler (1994) geht außerdem davon aus, dass es sich um eine komplexe Störung handelt, die das zwischenmenschliche Beziehungsverhalten betrifft. Das bedeutet, dass Personen die an einer Persönlichkeitsstörung leiden sozial unflexibel reagieren, sich wenig anzupassen in der Lage sind und Probleme in der Interaktion mit anderen Personen aufweisen.

 

Sachse hat hierzu das Modell der doppelten Handlungsregulation (MDHR) entwickelt, anhand dessen die allgemeinen Funktionszusammenhänge verschiedener Komponenten dargestellt werden können.

Das Modell besteht aus drei verschiedenen Ebenen:

  1. der Motivebene
  2. der Ebene der dysfunktionalen Schemata
  3. der Spielebene.

 

Buchquellen:

 

Wittchen, H.U. & Hoyer, J. (Hrsg.) (2006). Klinische Psychologie & Psychotherapie. Heidelberg: Springer Medizin Verlag.