Typical Intellectual Engagement (TIE)

Definition

  • Bei TIE handelt es sich um ein eigenständiges Konstrukt, welches die Attraktion beziehungsweise Aversion abbildet, die anspruchsvolle Aufgaben auf Personen ausüben.
  • TIE diskriminiert somit zwischen Personen die sich dahingehend unterscheiden, wie stark ihr übliches Engagement und ihr Verlangen nach intellektueller Betätigung ist (Ackermann & Goff, 1992).

typisches vs. maximales Verhalten

  • Psychologische Messinstrumente erfassen unterschiedliche Kategorien von Verhalten:
  1. typisches Verhalten
  2. und maximales Verhalten.
  • Das maximale Verhalten spiegelt ressourcenintensive Anstrengungen wider,
  • während typisches Verhalten eher gewohnheitsmäßige Bemühungen abbildet.

 

  • Diese Unterscheidung wurde erstmals von Cronbach (1949) getroffen, lässt jedoch offen, dass es eine Disposition dafür geben könnte wieviel Anstrengung Personen in ihr typisches Verhalten legen.
  • Es könnte demnach so sein, dass eine Person aufgrund ihrer Fähigkeiten nicht zu mehr Anstrengung in der Lage ist.

 

  • In den  Bereichen der Pädagogischen, Differentiellen und Sozialpsychologie wurden in den letzten Jahren einige Verfahren entwickelt (hierbei handelt es sich um Selbstberichtsverfahren), die typisches intellektuelles Verhalten erfassen sollen und somit den Verfahren gegenüberstehen, die Intelligenz durch die Provokation maximalen Verhaltens erfassen (herkömmliche Intelligenztests).
  • Ackermann und Goff (1992) schlugen ausgehend von dieser Differenzierung der Verfahren eine Unterscheidung von Intelligenz einerseits als Intelligenz-als-maximales-Verhalten und andererseits als Intelligenz-als-typisches-Verhalten vor.
  • Sie sehen zwischen Intelligenz-als-typisches Verhalten und dem Konstrukt TIE einen starken Zusammenhang.

typical intellectual engagement

  • Personen die eine hohe Ausprägung in TIE aufweisen könnten demnach in der Lage sein, bei kognitiven Leistungen besser abzuschneiden.
  • Dies wiederum deutet daraufhin, dass TIE eine bedeutende Rolle beim Erwerb von Wissen spielen könnte.

Zusammenhang zwischen Intelligenz und TIE

Zusammenhang zwischen Persönlichkeit und TIE

  • Es lassen sich starke Zusammenhänge zwischen TIE und NFC (need for cognition) finden : r=.70 (Wilhelm, Schulze, Schmiedek & Süß, 2003).
  • Außerdem gibt es hohe Korrelationen ( r=.44 und r=.70) zwischen TIE und dem Persönlichkeitsmerkmal Offenheit.
  • Weitere positive Beziehungen lassen sich zwischen TIE und Arbeitsstil, Absorption sowie extravertiertem intellektuellem Engagement aufweisen (Goff & Ackermann, 1992).

Erfassung von TIE

  • Ein deutschsprachiger Fragebogen zur Erfassung von TIE ist die Skala zur Erfassung typischen intellektuellen Engagements von Wilhelm et al. (2003).
  • Die Skala enthält 18 Items, welche teilweise aus Fragebögen zur Erfassung von NFC stammen.
  • Die deutschsprachige Skala stellt eine überarbeitete Übersetzung und Kurzform des amerikanischen Fragebogens von Goff und Ackerman (1992), mit einem wesentlich verbessertem Messmodell, dar.
  • TIE wird in der Skala anhand von 3 korrelierten Faktoren erfasst :
  1. Lesen ( thematisiert die Menge und die Vielfalt gelesenen Materials)
  2. Intellektuelle Neugier  (thematisiert vielschichtiges intellektuelles Interesse)
  3. Kontemplation (thematisiert intellektuelles Verhalten welches nicht instrumentell gerichtet ist, d.h. abstraktes Denken wird als Herausforderung betrachtet und komplexe und komplizierte Probleme zu lösen gilt als interessant)
  • Die 3 Faktoren wurden induktiv anhand von konfirmatorischen Faktorenanalysen gewonnen (Wilhem et al., 2003).
  • Die interne Konsistenz der einzelnen Skalen (Wilhelm et al., 2003)  lag bei:
  1. Lesen: Alpha = .75
  2. intellektuelle Neugier: Alpha = .63
  3. Kontemplation: Alpha = .69
  4. Gesamtskala: Alpha =.82 .

 

 

 

Quellen:

 

Goff, M. & Ackerman, P.L. (1992). Personality-Intelligence Relations: Assessment of Typical Intellectual Engagement. Journal of Educational Psychology, 84(4), 537-552.

 

Wilhelm, O., Schulze, R., Schmiedek, F. & Süß, H.M. (2003). Interindividuelle Unterschiede im typischen intellektuellen Engagement. Diagnostica, 49 (2), 49-60.

 

Bildquellen:

 

http://www.welt.de/multimedia/archive/00894/cmp_gehirn_denken_W_894612p.jpg