Perfektionismus

Definition

  • Derzeit gibt es noch keine einheitliche Definition von Perfektionismus. Dies liegt sicherlich auch darin begründet, dass Perfektionismus lange Zeit als pathologische Eigenschaft angesehen wurde und erst nach und nach eine Differenzierung in einen funktionalen und einen dysfunktionalen Typus  zustande kam.
  • Heutzutage wird Perfektionismus als multidimensionales Konstrukt angesehen, d.h. er besitzt mehrere Facetten.

6-Facetten-Modell von Frost, Marten, Lahart & Rosenblate (1990)

  • Die Forscher Frost, Marten, Lahart und Rosenblate (1990) schlagen ein 6-Facetten-Modell von Perfektionismus vor.
  • Demnach setzt sich Perfektionismus aus den Dimensionen:
  1. Sorge über Fehler
  2. Handlungszweifel
  3. Elterliche Erwartungen
  4. Elterliche Kritik
  5. Persönliche Ansprüche
  6. und Organisation zusammen.
  • Ein Perfektionist ist laut dieser Definition demnach eine Person die sich hohe Standards setzt, über eine ausgeprägte Organisiertheit und Werteordnung verfügt, stets versucht keine Fehler zu machen, häufig Unentschlossenheit zeigt und einen großen Wert auf die Bewertung durch ihre Eltern legt.

3-Facetten-Modell von Hewitt & Flett (1991)

  • Hewitt und Flett (1991) gehen davon aus, dass sich Perfektionismus aus 3 Dimensionen zusammensetzt:
  1. selbstorientierter Perfektionismus
  2. sozial vorgeschriebener Perfektionismus
  3. fremdorientierter Perfektionismus.
  • Demzufolge sind Perfektionisten Personen, die sich selbst hohe Standards setzen (selbstorientiert) oder hohe Standards von anderen auferlegt wahrnehmen (sozial vorgeschrieben). Gleichzeitig erwarten sie auch viel von anderen Personen (fremdorientiert).
  • Die Forscher betrachten Perfektionismus demnach nicht nur als Aspekt innerhalb einer bestimmten Person, sondern auch in einem sozialen Kontext.

2-dimensionales Modell von Stoeber & Otto (2006)

  • Stoeber und Otto (2006) integrierten die die verschiedenen Vorstellungen von Perfektionismus zu einem zweidimensionalen Modell:
  1. Dimension: perfektionistisches Streben (hohe persönliche Standards, Organisiertheit, selbst-orientierter Perfektionismus, fremdorientierter Perfektionismus)
  2. Dimension: perfektionistische Besorgnis (Fehlersensibilität, leistungsbezogene Zweifel, sozial auferlegter Perfektionismus, Erwartungen und Kritik der Eltern)

Erfassung von Perfektionismus

  • Gemessen werden kann Perfektionismus unter anderem anhand der Frost Multidimensional Perfectionism Scale von Frost, Marten, Lahart und Rosenblate (1990).- englischsprachig
  • Die deutschprachige Version des Tests ist die Frost Multidimensional Perfectionism Scale-Deutsch (FMPS-D) von Stoeber (1995).
  • Die Tests erfassen Perfektionismus entlang der 6 Dimensionen von Frost und Kollegen (1990), mittels einer 5-stufigen Likert-Skala.
  • Beispiel-Items: "Ich versuche, gut organisiert zu sein.", "Meine Eltern wollten, dass ich in allem der/die Beste bin."

 

Korrelate

  • Die Dimensionen Persönliche Ansprüche und Organisation korrelieren unter anderem mit hoher Leistung und positivem Arbeitsverhalten sowie mit der Dimension Gewissenhaftigkeit (Big Five).
  • Die Dimensionen Handlungszweifel (Doubts about Actions) und Sorge über Fehler (Concern over Mistakes) korrelieren unter anderem mit verschiedenen klinischen Störungen, z.B. Depression, Zwangsstörungen, Angststörungen, suizidales Verhalten und Essstörungen.
  • Außerdem zeigen sich Zusammenhänge zwischen den Dimensionen Handlungszweifel und Sorge über Fehler mit Neurotizismus (Big Five).

Quellen:

 

Altstötter-Gleich, C., & Bergemann, N. (2006). Testgüte einer deutschsprachigen Version der Mehrdimensionalen Perfektionismus Skala von Frost, Marten, Lahart und Rosenblate (MPS-F). Diagnostica, 52(3), 105-118.

 

Frost, R.O., Marten, P., Lahart, C., & Rosenblate, R. (1990). The dimensions of perfectionism. Cognitive Therapy and Research, 14, 449-468.

 

Hewitt, P.L. & Flett, G.L. (1991). Perfectionism in the self and social contexts: Conzeptualization, assessment, and association with psycho-pathology. Journal of Personality and Social Psychology, 60, 456-470.

 

Stoeber, J. & Otto, K. (2006). Positive conceptions of perfectionism: Approaches, evidence, challenges. Personality and Social Psychology Review, 10(4), 295-319.

 

Bildquellen:

 

http://www.gross-erfolgscolleg.de/image/erfolgswissen/sz/08_12_04.jpg