Persönlichkeitsmerkmale

Leistungsmotivation

Definition nach Henry Murray (1938)

  • H.A. Murray postulierte in seiner Bedürfnistheorie unter anderem das Bedürfnis nach Leistung und definierte es folgendermaßen:
  • " To accomplish something difficult. (...) to do this as rapidly and as independently as possible. To overcome abstacles and attain a high standard. To excel one`s self. To rival and surpass others. To increase self-regard by the successful exercise of talent." (Murray, 1938, S.164)
  • Murray zufolge organisieren menschliche Bedürfnisse alle mentalen Funktionen und das Verhalten.
  • Sein Ziel war es demzufolge, eine Taxonomie der grundlegenden menschlichen Bedürfnisse zu entwickeln.
  • Das Bedürfnis nach Leistung ist das Bedürfnis Aufgaben zu bewältigen, die man als Herausforderung betrachtet.

Leistungsmotivation nach David McClelland et al. (1953)

  • McClelland und Kollegen (1953) erweiterten den Ansatz von Murray, indem sie behaupteten, dass die Motivation einer Person aus drei dominierenden Bedürfnissen resultiert:
  1. Bedürfnis nach Leistung (need für achievement)
  2. Bedürfnis nach Macht
  3. Bedürfnis nach Zugehörigkeit.
  • Das Bedürfnis nach Leistung resultiert seiner Auffassung nach aus dem Konflikt zwischen 2 Prozessen und wird nach subjektiven Qualitätsansprüchen gemessen:
  1. Hoffnung auf Erfolg
  2. Furcht vor Misserfolg.

Leistungsmotivation nach John Atkinson (1957) - Risikowahlmodell

  • Atkinsons Modell wird auch als Risikowahlmodell bezeichnet und gehört zu den Erwartungs-mal-Wert-Ansätzen.
  • Er geht davon aus, dass Motivation auf angenommener Erfolgswahrscheinlichkeit (Erwartung) und subjektivem Anreiz des Erfolgs einer Handlung (Wert) basiert.
  • Atkinson versucht die einzelnen Variablen in einem mathematischen Modell zusammenzufassen.
  • Da die Leistungsmotivation einen Konfliktcharakter besitzt lassen sich die Grundelemente in 2 Teile untergliedern:
  1. Tendenz, Erfolg aufzusuchen
  2. Tendenz, Misserfolg zu vermeiden.

 

Tendenz, Erfolg aufzusuchen:

  • Atkinson geht davon aus, dass die Tendenz, Erfolg aufzusuchen ein Produkt aus 3 Komponenten ist:
  1. dem Leistungsmotiv (Erfolgsmotiv), welches eine stabile Disposition darstellt und definiert wird als Fähigkeit, Stolz zu erleben, wenn man Erfolg erlebt hat,
  2. der subjektive Erfolgserwartung, welche definiert wird als die Erwartung einer Person, dass eine Handlung zum Ziel führen wird.
  3. dem Anreiz des Erfolgs, welcher umso größer wird, je schwieriger eine Aufgabe ist.

 

Die Tendenz, Misserfolg zu vermeiden setzt sich analog dazu zusammen aus den Komponenten:

  1. Misserfolgsmotiv
  2. subjektive Misserfolgserwartung
  3. "Anreiz" von Misserfolg.

Leistungsmotivation nach Eccles (1983)

  • Auch bei Eccles handelt es sich um einen Erwartungs-mal-Wert-Ansatz.
  • Er hat Leistungsmotivation vor allem im schulischen Kontext erforscht.
  • Eccles betrachtete die Zusammenhänge zwischen Leistung, wahrgenommener Kompetenz und Interesse.
  • Demzufolge hat das Selbstkonzept einen kausalen Einfluss sowohl auf Interesse als auch auf Leistung.

Erfassung von Leistungsmotivation

  • Basierend auf Henry A. Murray können Bedürfnisse anhand von projektiven Verfahren erfasst werden.
  • Er war der Meinung, dass es nicht sehr sinnvoll ist, Personen direkt nach ihren Bedürfnissen zu fragen, sondern dass es besser wäre, wenn sie diese tatsächlich zeigten, und zwar anhand von phantasieartigen Projektionen.
  • Auf der Grundlage dieser Überlegungen entwickelte Murray (1938) den thematischen Apperzeptionstest (TAT).
  • Wird einer Person eine mehrdeutige Situation präsentiert, und sie soll diese interpretieren, so projiziert sie laut Murray, ihre eigenen Bedürfnisse und Neigungen auf die Szene.

Nachteile des thematischen Apperzeptionstests (TAT):

  • mangelnde Ökonomie
  • mangelnde Objektivität
  • mangelnde Reliabilität
  • mangelnde Validität.

 

Eine Alternative zum TAT stellt das semi-projektive Verfahren : Leistungsmotiv-Gitter (Schmalt et al., 2000) und das Multi-Motiv-Gitter ( Sokolowski et al., 2000) dar.

 

  • Eine weitere Möglichkeit zur Erfassung von Bedürfnissen bildet die Personality Research Form - PRF (deutsche Version, Stumpf, Angleitner, Wieck, Jackson & Beloch-Till, 1985).
  • Hierbei handelt es sich um einen Selbstbeschreibungsfragebogen mit 14 Inhaltsskalen, welcher vorrangig zu Forschungszwecken und im Beratungskontext eingesetzt wird.
  • Ebenfalls mittels Selbstbericht kann das Leistungsmotiv auch anhand des Leistungsmotivationsinventars - LMI (Schuler & Prochaska, 2002) erfasst werden.
  • Dieses besteht aus 17 Skalen welche wichtige Dimensionen aus verschiedenen Leistungsmotivationstheorien integrieren. Zu den Skalen zählen u.a. die Skala Flow, Beharrlichkeit oder Selbstkontrolle.

Quellen:

 

McClelland, D.C., Atkinson, J.C., Clark, R., & Lowell, E. (1953). The achievement motive. New York: Appleton-Century-Crofts.

 

Murray, H.A. (1938). Explorations in personality. New York: Oxford University Press.

 

Rudolph, U. (2009). Motivationspsychologie - kompakt. Weinheim: Beltz Verlag.

 

Wigfield, A. & Eccles, J.S. (2000). Expectancy-value theory of achievement motivation. Contemporary Educational Psychology, 25, 68-81.

 

Bildquellen:


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