Intelligenz

soziale Intelligenz

Wozu benötigt man soziale Intelligenz?

  • In fast jeder Situation in der Menschen miteinander interagieren benötigen wir soziale Kompetenzen.
  • Zunehmende Bedeutung erlangen soziale Fähigkeiten auch im Berufsleben, da sie als ein bedeutendes Merkmal für Berufserfolg betrachtet werden können.

Ausgangspunkt sozialer Intelligenz

  • E. L. Thorndike  war einer der ersten der den Versuch unternahm soziale Intelligenz zu definieren.
  • Er ging unter anderem davon aus, dass eine Person die sozial intelligent ist, dazu in der Lage ist, andere zu verstehen und in interpersonalen Beziehungen klug zu handeln.
  • Laut Thorndike sind die Komponenten sozialer Intelligenz :" ...the ability to understand and manage men and women, boys and girls and to act wisely in human relations." (Thorndike, 1920)

 

E. L. Thorndike
E. L. Thorndike

Welche Fähigkeiten umfasst soziale Intelligenz?

Sozial intelligente Personen besitzen:

  • eine hohe soziale Sensibilität,
  • eine hohe soziale Einsicht,
  • eine gute soziale Kommunikation,
  • eine prosoziale Einstellung,
  • empathische Fertigkeiten,
  • soziale Fertigkeiten,
  • eine hohe Emotionalität,
  • eine gute Fähigkeit zur Perspektivübernahme,
  • hohe soziale Anpassungsfähigkeit,
  • gute Kenntnisse bezüglich sozialer Regeln und Normen.

 

Außerdem :

  • verstehen sie andere Menschen gut,
  • können gut mit anderen Personen umgehen,
  • können fürsorglich und warm sein,
  • und sie sind offen für neue Ideen und Erfahrungen.

Definition Sozialer Intelligenz nach Weis und Süß (2005)

  • Weis und Süß (2005) definierten soziale Intelligenz als ein multidimensionales, facettentheoretisch spezifiziertes Fähigkeitskonstrukt.
  • Ihr hierarchisches Zwei-Facettenmodell lehnt somit an den Modellen von Guttman (1965), Guilford (1967) und Jäger (1982) an.
  • Sie unterscheiden eine operative und eine inhaltsgebunde Facette.
  • Die operative Facette beinhaltet die folgenden Fähigkeitssubkonstrukte:
  1. soziales Verständnis (hierbei handelt es sich um die Fähigkeit, in einer gegebenen Situation soziale Informationen zu identifizieren, sie zu verstehen und die daraus folgenden Implikationen richtig einzuschätzen)
  2. soziales Gedächtnis (hierbei handelt es sich um die Fähigkeit, soziale Informationen im Gedächtnis zu speichern und sie wieder abrufen zu können)
  3. soziale Wahrnehmung (hierbei handelt es sich um die Fähigkeit soziale Informationen schnell wahrnehmen zu können)
  4. soziale Flexibilität
  5. und soziales Wissen.
  • Die inhaltsgebundene Facette unterscheidet die Fähigkeiten hinsichtlich materialspezifischer Besonderheiten. Damit lehnt sie an das BIS (Berliner Intelligenz-Strukturmodell) an. Unterschieden werden dabei:
  1. auditives Material
  2. schriftliches Material
  3. bildhaftes Material
  4. und videobasiertes Material.
Heinz-Martin Süß
Heinz-Martin Süß

Wie wird soziale Intelligenz gemessen?

  • Soziale Fähigkeiten empirisch zu erfassen war lange Zeit nur mittels Fragebögen zur Selbsteinschätzung möglich.
  • Der Nachteil dieser Methode ist, dass die Befragten sozial erwünschte Antworten geben können, oder sich selbst ganz anders wahrnehmen, als ihre Umwelt dies tut.
  •  Ebenso einen Einfluss auf die Ergebnisse dieser Art von Fragebögen  haben die Ehrlichkeit und Offenheit einer Person.
  • Aufgrund dieser und weiterer Probleme entwickelte die Forschergruppe um Heinz-Martin Süß den Magdeburger Test zur Sozialen Intelligenz (SIM), welcher auf ihrem Zwei-Facettenmodell beruht.

 

Magdeburger Test zur Sozialen Intelligenz (SIM):

  • hierbei handelt es sich um einen leistungsbasierten Test,
  • welcher auf realen Situationen basiert
  • und den sozialen Kontext integriert.

 

  • Anhand von Szenarien soll das soziale Verständnis einer Person erfasst werden. Dazu wird in jedem einzelnen Szenario eine Person ins Zentrum der Aufgaben gestellt, die von den Probanden hinsichtlich ihrer Emotionen, Kognitionen, Persönlichkeitsmerkmale und Beziehung zu Dritten möglichst genau eingeschätzt werden soll (operative Facette). Die Testpersonen erhalten dazu Standbilder, Schriftstücke, Tonaufzeichnungen und Videos ohne Ton (inhaltsgebundene Facette).
  • Das soziale Gedächtnis wird erfasst, indem den Probanden in begrenzter Darbietungszeit soziale Stimuli präsentiert werden und diese sich anschließend an Details dieser Stimuli erinnern sollen. Die Antwortzeiten sind dazu ebenfalls begrenzt.
  • Die soziale Wahrnehmung wird erfasst, indem den Testpersonen vorab Zielreize, sogenannte Targets, dargeboten werden, auf welche diese in den anschließenden Aufgaben achten müssen. Das Ziel ist es, so schnell wie möglich eine Taste zu drücken sobald ein Zielreiz im Aufgabenmaterial wahrgenommen wird.

 

Quellen:

 

Kang, S., Day, J.D., & Meara, N.M. (2006). soziale und emotionale Intelligenz: Gemeinsamkeiten und Unterschiede. In R. Schulze, P.A. Freund, & R.D. Roberts (Hrsg.), Emotionale Intelligenz: Ein internationales Handbuch (S. 101-115), Göttingen: Hogrefe.

 

Süß, H.M., Seidel, K. & Weis, S. (2008). Neue Wege zur leistungsbasierten Erfassung sozialer Intelligenz und erste Befunde. In W. sarges & D. Scheffer (Hrsg.), Innovative Ansätze für die Eignungsdiagnostik (S. 129-143). Göttingen: Hogrefe.

 

Thorndike, E.L. (1920). Intelligence and its use. Harper´s Magazine, 140, 227-235.

 

 

Bildquellen:


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