Intelligenz

Praktische Intelligenz

Charlesworth (1976) definierte praktische Intelligenz wie folgt:

" Verhalten unter der Kontrolle von kognitiven Prozessen, eingesetzt zur Lösung von Problemen, die das Wohlbefinden, die Bedürfnisse, die Pläne und das Überleben des Einzelnen betreffen." (S.150)

  • Praktische Intelligenz bezieht sich demnach auf die sinnvolle und effiziente Problembewältigung im Alltag und im Beruf.
  • Probleme dieser Art sind im Gegensatz zu Aufgaben welche die akademische Intelligenz betreffen eher unstrukturiert, außerdem liefern sie häufig nicht alle Informationen die zur Lösung der Aufgaben benötigt werden und liefern zusätzlich häufig keine Anhaltspunkte ob und wann die Lösung erreicht ist.

Praktische Intelligenz umfasst laut Sperber (1985) 2 Hauptaspekte:

  1. die technisch-mechanische Problemlösung (z.B. eine Glühbirne wechseln, einen Computer reparieren)
  2. die planerisch-organisatorische Problemlösung (z.B. Geburtstagsfeiern planen und organisieren, Firmenausflüge planen und organisieren).

 

Erfasst werden kann der technisch-mechanische Aspekt zum Beispiel anhand von Arbeitsproben.

 

Eine Möglichkeit der Erfassung des planerisch-organisatorischen Aspekts sind zum Beispiel Simulationen wie die sogenannten Postkorb-Aufgaben. Hierbei muss unter Zeitdruck ein fiktiver Posteingang durchgearbeitet werden. Die zu bewältigenden Anforderungen an die Testperson sind:

  • die Übersicht behalten
  • Prioritäten setzen
  • Delegieren können.

 

Praktische Intelligenz beinhaltet explizites und implizites Wissen, wobei derzeit häufig davon ausgegangen wird, dass einen Großteil das implizite Wissen ausmacht.

 

 

Exkurs
implizites Wissen
  • ...ist stilles Wissen
  • ...ist schwer verbalisierbar (d.h. ist eher praktisch als akademisch)
  • ...ist eher informell als formell (d.h. es wird nebenbei gelernt)
  • ...ist eher inzidentell erlernt ( d.h. indirekt erlernt)

Robert Sternbergs Triarchische Theorie der Intelligenz

  • Sternberg betrachtete praktische Intelligenz als Fähigkeit, Probleme in alltäglichen und außergewöhnlichen Situationen bewältigen zu können.
  • Demzufolge zählen auch Erfahrungen und Schlüsselqualifikationen zur praktischen Intelligenz.
  • Wagner und Sternberg (1985) führten das "stille Wissen" als Bestandteil praktischer Intelligenz ein.
  • Sternbergs Theorie besteht aus 3 Teilen:
  1. Kontext-Subtheorie (praktische, kontextuelle Intelligenz)
  2. 2-Facetten-Subtheorie (kreative Intelligenz)
  3. Komponenten-Subtheorie (analytische, strukturelle Intelligenz).

 

Kontext-Subtheorie:

  • Sternberg zufolge zeigt sich intelligentes Handeln unter anderem durch:
  1. die Anpassung an die Umwelt (Adaption),
  2. die Formung der Umwelt,
  3. oder wenn das beides nicht möglich ist, durch die Selektion, d.h. das finden einer neuen Umwelt.
  • Intelligenz wird durch die Umwelt geformt und ist somit kontextgebunden und kulturabhängig.
  • Intelligentes Handeln ist immer auf bestimmte Ziele gerichtet, diese können entweder bewusst oder unbewusst sein.

 

2-Facetten-Subtheorie:

  • Intelligentes Handeln erfordert:
  1. die Fähigkeit, mit neuartigen Anforderungen umzugehen,
  2. die Fähigkeit, Aufgaben zu automatisieren. (z.B. Fahrrad fahren)

 

Komponenten-Subtheorie:

  • Eine Komponente ist ein grundlegender Informationsverarbeitungsprozess, der auf mentale Repräsentationen von Situationen oder Gegenständen einwirkt.
  • Es können 3 Klassen von Komponenten unterschieden werden:
  1. Performanzkomponenten: diese beziehen sich auf die Anwendung von bereits erlernten Regeln/Strategien.
  2. Komponenten des Wissenserwerbs: Diese beziehen sich auf das erlernen neuer deklarativer oder prozeduraler Regeln/ Strategien.
  3. Meta-Komponenten: Diese haben eine Kontrollfunktion, d.h. sie entscheiden, welche Regel/Strategie angewandt wird.

 

 

  • Sternberg fasst 1998 die praktische Intelligenz und Kreativität zusammen zur sogenannten "Erfolgsintelligenz".

Buchquellen:

 

Charlesworth, W.R.(1976). Intelligence as adaptation: An aetiological approach: In L.Resnick (Ed.), The nature of intelligence. Hillsdale, N.J.:Erlbaum. 

 

Sperber, W., Wölpel, S., Jäger, A.O. & Pfister, R. (1985). Praktische Intelligenz. Untersuchungsbericht und erste Ergebnisse. Arbeitsbericht 5 aus dem Forschungsschwerpunkt Produktives Denken- Intelligentes Verhalten, Freie Universität Berlin.

 

Amelang, M. & Bartukssek, D. (2001). Differentielle Psychologie und Persönlichkeitsforschung. Stuttgart: Kohlhammer.

 

Bildquellen:

 

http://systemisch-weiter-denken.de/media/portraits/Robert_Sternberg.jpg