Wie Stress und Immunsystem zusammenhängen

Kennen sie dieses Phänomen, dass sie wochenlang Stress hatten und sobald sie zur Ruhe kamen irgendeine Krankheit sie ausbremste? Mir selbst ging dies in meinem Studium öfters so. Gerade in Prüfungsphasen wusste ich teilweise nicht mehr, wo mir der Kopf stand. Und während alle Personen in meinem Umkreis irgendwie mit ihrer Grippe kämpften, ging es mir, abgesehen vom Stress, gesundheitlich gut. Aber sobald alle Prüfungen geschafft waren und ich mich auf eine ruhige, entspannte Zeit freute, kam sie, die Grippe.

 

In der Medizin wird dieses Phänomen "Leisure sickness" genannt, und es macht deutlich, dass unser Körper und unsere Psyche doch enger miteinander in Verbindung stehen, als man vermuten mag.

 

Der Forscher Christian Schubert stellte hierzu fest, dass kurzzeitiger Stress zunächst erst einmal das Immunsystem aktiviert, um auf diese Art und Weise den Organismus zu schützen. Dauert der stressige Zustand jedoch zu lange an, reagiert unser Körper mit einer erhöhten Anfälligkeit für Erkrankungen. Die Folgen sind vielfältig, angefangen von einer schlechteren Heilung von Entzündungen bis hin zu einem negativen Einfluss auf die Blutgerinnung. Unser Körper signalisiert uns demnach, wenn wir uns übernommen haben. 

 

Gleichzeitig merken wir aber auch, wenn unsere Psyche auf einen warnenden Hinweis unseres Immunsystems reagiert. Mediziner sprechen in diesem Fall von "Sickness behavior". Darunter versteht man ein Schonverhalten, wie zum Beispiel Appetitlosigkeit oder Müdigkeit, welches dazu dienen soll, Energiereserven anzusammeln für die Infektionsabwehr.

 

Geraten wir in eine Stresssituation so beginnt unser Körper eine Reihe von Abwehrreaktionen zu starten. Eine davon ist die Ausschüttung der Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin. Diese lassen unsere Herzschlagrate und unseren Blutdruck steigen, erhöhen die Sauerstoffzufuhr zum Gehirn und vermindern unser Schmerzempfinden. Dadurch werden wir in eine Art Flucht-oder Kampf- Bereitschaft versetzt.

 

Gleichzeitig setzen diese beiden Hormone Entzündungsprozesse in Gang, welche potentielle Krankheitserreger angreifen sollen. Diese Entzündungsprozesse werden später von einem weiteren Hormon, nämlich dem Cortisol wieder zurückgefahren.

 

Befinden wir uns in einem chronischem Stresszustand, befindet sich auch unser Körper in einer Art Dauerfeuer und deshalb geraten diese beiden Stressreaktionen unseres Körpers irgendwann aus dem Gleichgewicht.So kann es zum Beispiel dazu kommen, dass wir nicht mehr genügend Cortisol produzieren und somit die Entzündungen nicht mehr ausreichend gedämpft werden.

 

Quelle:

Schubert, C. (2011). Psychoneuroimmunologie und Psychotherapie. Stuttgart: Schattauer.

 

Moral Licensing

  • "Moral Licensing" ist ein Phänomen, welches laut der Forscherin Sonya Sachdeva dafür verantwortlich ist, dass wir uns nach einer guten Tat weniger altruistisch verhalten als sonst.
  • Es handelt sich hierbei also um eine Art Moralkonto, anhand dessen wir unseren Altruismus und Egoismus ausbalancieren.
  • Unter Altruismus versteht man die Förderung des Wohlbefindens anderer, ohne eigenen persönlichen Gewinn .
  • Die Forscher gehen davon aus, dass unser moralisches Selbstbild für dieses Phänomen verantwortlich ist.
  • Haben wir gerade eine uneigennützige gute Tat vollbracht ist das "moralische Konto" erst einmal gesättigt. Das führt dann  paradoxerweise dazu, dass wir nachfolgend weniger Bereitschaft zu prosozialem Verhalten zeigen.
  • Beispiel: Wenn eine Person gerade Geld gespendet hat an eine gemeinnützige Organisation, dann wird sie anschließend im Bus der netten älteren Dame mit höherer Wahrscheinlichkeit ihren Sitzplatz nicht anbieten.

 

Quelle:

 

Zimmermann, S. (2012). Zwischen Fairness und Eigennutz. Gehirn- und Geist. (S.39 - 43).