Bulimia nervosa

Diagnosekriterien

DSM-IV-TR

Bei der Bulimia nervosa kommt es wiederholt zu Episoden von Essanfällen, welche dadurch gekennzeichnet sind, dass die betroffene Person eine größere Nahrungsmenge innerhalb eines bestimmten Zeitraumes zu sich nimmt, als es der Großteil der Menschen unter ähnlichen Bedingungen  tun würde, und dass sie während des Essanfalles das Gefühl hat, keine Kontrolle über das Essen zu haben (bezüglich des Beendens, der Art der Nahrung, der Menge der Nahrung usw.).

 

Um einer Gewichtszunahme entgegenzusteuern kommt es wiederholt zu kompensatorischen Verhalten, wie zum Beispiel selbst herbeigeführtes Erbrechen, Missbrauch von Abführmitteln, exzessives Sporttreiben oder Fasten.

 

Die Essanfälle und die kompensatorischen Verhaltensweisen müssen über einen Zeitraum von mindestens 3 Monaten und durchschnittlich mindestens zweimal in der Woche auftreten.

 

Bulimie-Patienten weisen außerdem dysfunktionale Einstellungen gegenüber ihrem Gewicht und ihrer Figur auf, d.h. dass ihre Selbstbewertung in übertriebenem Maße durch diese beeinflusst werden. Dieses Kriterium grenzt somit die Bulimia nervosa differentialdiagnostisch von z.B. Schizophrenien ab, bei denen es auch zu Essanfällen kommen kann, jedoch ohne diese dysfunktionalen Einstellungen.

 

Und die Diagnose Bulimia nervosa darf nur vergeben werden, wenn aktuell keine Anorexia nervosa vorliegt. Sollte diese jedoch vorliegen, dann hat die Diagnose Anorexia nervosa Vorrang vor der Bulimia nervosa.

 

Es können außerdem 2 Subgruppen dieser Erkrankung unterschieden werden:

  1. der Purging-Typus
  2. der Nicht-Purging-Typus.

Beim Purging-Typus führt der Patient regelmäßig Erbrechen herbei oder es kommt zum Missbrauch von Abführmitteln und ähnlichem, beim Nicht-Purging-Typus hingegen betreibt er exzessiv Sport, fastet oder führt unregelmäßig Erbrechen herbei, um sein Gewicht zu kontrollieren.

Epidemiologie

Es gibt nur sehr wenige Studien zu den Inzidenzraten von Bulimia nervosa. Diese wenigen haben eine Inzidenz von ungefähr 12 auf 100.000 der Bevölkerung ermittelt (Hoek & Hoeken, 2003).

 

Die Lebenszeitprävalenz liegt zwischen 0,1% (Männer) und 1% (Frauen).

 

Das durchschnittliche Ersterkrankungsalter für Bulimia nervosa liegt etwas höher als das bei Anorexia nervosa, nämlich bei ca. 22 Jahren (Schmidt, 2000) und Frauen sind häufiger betroffen als Männer.

Verlauf

Der Verlauf der Bulimia nervosa ist wesentlich günstiger als der Verlauf der Anorexia nervosa. Die Remissionsrate (vollständige Remission) liegt hier zwischen 50-70% (Wittchen & Hoyer, 2006).

 

 

Quellen und Literaturempfehlungen

Hoek, H.W. & Hoeken, D.(2003). Review of the prevalence and incidence of eating disorders. International Journal of Eating Disorders, 34, 383-396.

 

Schmidt, U. (2000). Binge eating and binge eating disorder. European Eating Disorders Review, 8, 340-343.