Depressive Störungen

Klassifikation

Depressive Störungen zählen zu den Affektiven Störungen.

ICD-10       DSM-IV-TR
Manische Episode (Hypomanie)
F30     Manische, gemischte oder Hypomane Episode
 
Bipolare affektive Störung
F31     Bipolare Störung
 
Depressive Episode F32     Einzelne Episode eine Major Depression  
rezidivierende depressive Störungen F33     Major Depression, rezidivierend  
anhaltende affektive Störungen F34     Dysthyme Störung  
sonstige affektive Störungen F38     andere Affektive Störungen  
nicht näher bezeichnete affektive Störungen F39        

So gut wie jeder Mensch hat im Laufe seines Lebens schon einmal depressive Symptome erlebt wie z.B. Antriebslosigkeit, Traurigkeit oder Niedergeschlagenheit. Diese Symptome können hervorgerufen worden sein durch belastende Ereignisse oder soziale Stresssituationen.

 

Behandlungsbedürftig werden diese Symptome jedoch erst, wenn sie eine bestimmte Dauer und Intensität erreichen. Bei einer depressiven Störung ist außerdem der gesamte Organismus betroffen und die Symptome betreffen die kognitive, emotionale, behaviorale, physiologische, motorische und sozial-interaktive Ebene.

 

emotionale Symptome


z.B. Traurigkeit, Reizbarkeit, Gefühllosigkeit, Verzweiflung, Schuld, Schwermut, Ängstlichkeit, Leere

 

kognitive Symptome

 

z.B. Grübeln, Konzentrationsschwierigkeiten, negative Gedanken, übermäßige Besorgnis

 

behaviorale Symptome

 

z.B. Vermeidung von Blickkontakt, Suizidhandlungen, geringe Aktivitätsrate

 

motorische Symptome

 

z.B. verlangsamte Motorik, kraftlose und gebeugte Körperhaltung, nervöse Unruhe

 

physiologische Symptome

 

z.B. Appetitlosigkeit, Antriebslosigkeit, Weinen, innere Unruhe, Schlafstörungen, Morgentief

 

soziale Interaktion


z.B. sozialer Rückzug, Zurückweisung von Hilfe

Diagnostik

Es existiert eine Vielzahl gut validierter Untersuchungsverfahren, welche sowohl spezifische Syndrombereiche erfassen wie auch die Kriterien einer Depression im allgemeinen. Entscheidend sind hierbei die Erfassung der zeitlichen Auftretensmuster sowie die Intensität der jeweiligen Symptome.

 

Es können hierbei Fremdbeurteilungs- und Selbstburteilungsfragebögen verwendet werden, aber auch standardisierte und strukturierte klinische Interviews.

Selbstbeurteilungsverfahren
Fremdbeurteilungsverfahren
  • Hamilton Rating Scale for Depression (HRSD) von Hamilton, 1960
strukturierte klinische Interviews
  • Strukturiertes Klinisches Interview für DSM-IV (SKID) von Wittchen, Zaudig & Fydrich, 1997

 

standardisierte klinische Interviews

 

  • diagnostische Interviews (z.B. DIA-X) von Wittchen & Pfister, 1997

Epidemiologie

Depressionen zählen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen, mit einem Lebenszeitrisiko von ca. 20%.

Das Lebenszeitrisiko in Deutschland für eine Major Depression liegt bei 9%, für Dysthyme Störungen bei 4% und für bipolare Störungen bei 0,2%.

 

Das Ersterkrankungsalter erreicht seinen Gipfel zwischen 15 und 29 Jahren und stellt einen Risikofaktor für eine Chronifizierung und erhöhte Rezidivrate dar.

 

Frauen haben ein höheres Risiko an Depressionen zu erkranken als Männer (ca. 1,9fach erhöhtes Risiko).

 

Weitere Risikofaktoren sind unter anderem der sozioökonomische Status, der Familienstand und psychosoziale Stressoren.

So scheint ein geringer sozioökonomischer Status (z.B. geringes Einkommen, Arbeitslosigkeit, niedriger Schulabschluss) mit einem erhöhtem Depressionsrisiko einherzugehen.

Ebenso kommen depressive Störungen häufiger vor bei Personen die geschieden, getrennt lebend oder verwitwet sind.

Zu den psychosozialen Stressoren, die eine Rolle für die Auftretenswahrscheinlichkeit einer Depression spielen, zählen unter anderem sehr früh im Leben auftretende aversive Lebensereignisse (z.B. Trennungen von den Eltern, Missbrauchserfahrungen, Traumata, Vernachlässigung).

 

 

Komorbiditäten

Die höchsten Komorbiditätsraten haben Depressionen unter anderem mit:

Meine Quellen und Literaturempfehlungen